Ein Patient im orangefarbenen Trikot pariert den Schlag eines Körner Spielers (Fotos: Forbrig/LWL)

Echte Gegner beim Tischtennis-Match

„Vor so viel Publikum haben wir schon lange nicht mehr gespielt“, freut sich Horst Schlüter (Name geändert) nach dem Tischtennis-Match gegen Patienten der Wilfried-Rasch-Klinik. Gemeinsam mit fünf weiteren „Alten Herren“ des DJK TuS Körne war er in der Klinik-Turnhalle zu einem Freundschaftsspiel gegen sechs Patienten der Tischtennisgruppe angetreten. Für die fast 40 Patienten und Beschäftigten im Publikum war es ein ganz besonderer Anlass: Erstmalig spielten Patienten innerhalb der Klinikmauern gegen externe Sportler.

Eingefädelt hatte diese besondere Begegnung der Krankenpfleger Martin Kuttnick. Der 51-jährige Dortmunder leitet das Tischtennistraining als Freizeitangebot im Rahmen der so genannten Sozio- und Milieutherapie des Pflegedienstes. In seiner Feizeit spielt er selber aktiv Tischtennis beim DJK TuS Körne und hat dort viele Jahre lang Jugendmannschaften trainiert. Nachdem die Patienten ein Jahr lang zweiwöchentlich am späten Nachmittag nach den Therapiezeiten anderthalb Stunden trainiert hatten, entstand der Wunsch, ihr Können an der Tischtennisplatte an den Vereinskollegen ihres Trainers zu messen.

Krankenpfleger und Trainer Martin Kuttnick hat den Punktestand im Griff

Obwohl die Patienten hoch motiviert spielten und um jeden Punkt kämpften, konnten die Körner Spieler schließlich mit technischer Überlegenheit und der Reaktionssicherheit jahrelanger Erfahrung fast jeden Satz für sich gewinnen. „Erst habe ich mich gar nicht getraut zu schmettern, weil die Gegner doch einige Jährchen älter waren“, sagt ein 24jähriger Patient. „Aber als ich gemerkt habe, was die drauf haben, habe ich doch alles gegeben.“ Trainer Kuttnick jedenfalls war zufrieden mit seinen Schützlingen, nicht nur was die spielerische, sondern vor allem, was die zwischenmenschliche Leistung anging. „Die Patienten haben im Team zusammen gehalten und sich untereinander und gegenüber den Gegenspielern fair und respektvoll verhalten“, schildert er seine Beobachtungen.

Letztlich gehe es bei der Tischtennisgruppe darum, das Sozialverhalten der Patienten zu fördern und ein realitätsnahes Angebot der Freizeitgestaltung zu schaffen, wie es etwa in Sportvereinen anzutreffen sei. „Wer mit seiner Freizeit nichts Sinnvolles anzufangen weiß, kommt eher auf dumme Gedanken,“ erklärt Kuttnick. So lernten die Patienten eine Möglichkeit kennen, wie sie ihre Freizeit sinnvoll und aktiv nutzen könnten, damit gar nicht erst Raum für straffälliges Verhalten entstehe. Gleichzeitig werde soziales Verhalten wie etwa Fairness, Teamgeist, Frustrationstoleranz und Verlässlichkeit gefördert – und möglicherweise echtes Tischtennis-Talent.

Das jedenfalls glaubte der „Alte Herren“-Sprecher Schlüter in einigen der Patienten schlummernd entdeckt zu haben und stellte am Ende des Freundschaftsspiels ein Revanchespiel in Aussicht. Nach dieser Aussage klatschten Spieler und Zuschauer besonders laut.

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